Und außerdem ...


aktueller Vorstand des DAF

In seiner diesjährigen Mitgliederversammlung am 20. März 2018 ließ der Deutsch-Ausländische Freundeskreis Drensteinfurt e. V. (DAF) rund um seine Vorsitzende Waltraud Angenendt, die frisch gebackene Ehrenringträgerin der Stadt Drensteinfurt, 2017 Revue passieren: Zahlreiche Aktionen und fortlaufende Begleitung der aktuell 300 Flüchtlinge in den drei Drensteinfurter Ortsteilen hatten den Vorstand und seine rund 70 HelferInnen im vergangenen Jahr beschäftigt. Als besonders erfreulich wertete Angenendt, dass 8 Geflüchtete eine Ausbildung beginnen konnten. Angenendt ließ dabei die großzügigen Spenden von BürgerInnen und Fördermittel aus verschiedenen öffentlichen/kirchlichen Töpfen nicht unerwähnt. Anschließend wurde Angenendt in ihrem Amt als 1. Vorsitzende bestätigt. Neu gewählt wurden als 2. Vorsitzende Isabelle Karcev sowie Agnes Wichate als Beisitzerin. Karin Müller als Kassiererin, Maria Tölle als Schriftführerin und Sabine Triem als Beisitzerin wurden ebenfalls in ihren Ämtern bestätigt. Im Anschluss an die Mitgliederversammlung referierte auf Einladung des DAF Tillmann Schmalzried, Sprecher der Afghanistan-Koordinationsgruppe der deutschen Sektion von Amnesty International, zu den Hintergründen der aktuellen Flüchtlingskrise speziell am Beispiel Afghanistans und zeigte Perspektiven für die Bewältigung der Krise auf. Hierzu waren zahlreiche weitere DrensteinfurterInnen in den Gemeindesaal der evangelischen Martinskirche gekommen. Zum Abschluss tauschten sich die Anwesenden über Schmalzrieds Referat aus.

der aktuelle Vorstand des DAF rund um seine Vorsitzende Waltraud Angenendt (vorne, 2. von links); Foto Westfälische Nachrichten, 22.03.2018
der aktuelle Vorstand des DAF rund um seine Vorsitzende Waltraud Angenendt (vorne, 2. von links); Foto Westfälische Nachrichten, 22.03.2018


Für die Not der Fremden: Waltraud Angenendt erhält Ehrenring

Drensteinfurt - Seit 40 Jahren engagiert sich Waltraud Angenendt in besonderer Weise für Flüchtlinge in Drensteinfurt. Für ihren selbstlosen Einsatz überreichte ihr Bürgermeister Carsten Grawunder nun in der Alten Post den Ehrenring der Stadt.

Mitglieder aus Politik, Verwaltung und Vereinen, aber auch Freunde, Weggefährten und natürlich einige Flüchtlinge wohnten der Zeremonie bei. Für die Stadt ist es seit Vergabe des ersten Ehrenrings im Jahr 1973 die 21. Auszeichnung dieser Art. Nach Sabine Omland (2004) ist Waltraud Angenendt nun die zweite Frau, der die höchste Anerkennung der Stadt verliehen wurde. Vor 40 Jahren habe ihre Begegnung mit einigen Tamilen, die ohne jegliche Hilfe in dem heruntergekommenen Jugendheim lebten, den Grundstein gelegt für ihre Arbeit und die Gründung des Deutsch-Ausländischen Freundeskreises (DAF) mit einigen Mitstreiterinnen, erzählte Bürgermeister Grawunder. Obwohl sie mit Familie, politischen Ämtern und anderen sozialen Verpflichtungen bereits eingebunden war, machte sie sich die Not der „Fremden“ zu ihrer Herzenssache. Seitdem habe Waltraud Angenendt viel auf den Weg gebracht. Als die Flüchtlingskrise über Deutschland hereinbrach, habe sie den Verein umstrukturiert und für viele Ehrenamtliche geöffnet. Die sprachliche Förderung sei dem DAF besonders wichtig, er ermöglicht jedem Flüchtling unbürokratisch quasi vom ersten Tag an einen Sprachkurs, bis die offizielle Integration anläuft. Das internationale Café des Freundeskreises führe Einheimische und Asylbewerber einmal pro Woche zusammen. Ist es geöffnet, stehe Waltraud Angenendt bereit, um den Zugewanderten Fragen jeglicher Art zu beantworten. Darüber hinaus gehe sie in die Familien vor Ort. Sie habe breit gefächert viele Kontakte und nutzte diese, um die Menschen für ihre Sache zu begeistern und mitzunehmen. Daher könne der DAF heute eine ganze Palette von Angeboten aufweisen. Mit großer Empathie fühle sie sich in die Bedürfnisse ihrer Schützlinge ein, vermittele ihnen Familienpatenschaften und Unterstützung der Schulkinder. Maria Tölle, langjährige Mitstreiterin und Freundin der Geehrten, erinnerte sich, wie sie Waltraud Angenendt 1993 kennengelernt hat – als couragierte Biobäuerin, Mutter von vier Kindern, Lehrerin, Ratsfrau und Friedensaktivistin. Sie sei heute der Motor des DAF. Sie erkenne die Stärken und Fähigkeiten der rund 60 Helfer im DAF und sei trotz ihrer 70 Lebensjahre mit großer Kraft und Energie unterwegs. Sie freue sich über alle Erfolge ihrer Schützlinge, sei es das chinesische Mädchen, das auf einer Feier Geige spielt, oder das gesunde Baby eines georgischen Ehepaars oder der junge Syrer, der seinen Schulabschluss geschafft hat. Unentwegt bilde sie sich in Fragen des Asylrechtes fort, berichtete Tölle. So sei sie ein Bindeglied zwischen der Politik und der Realität vor Ort. Eigene Familiengeschichte mit Fluchtvergangenheit. Sichtlich gerührt, nahm die Ehrenringträgerin die lobenden Worte entgegen. „Ich sehe diesen Ring als Auszeichnung für die Arbeit, die von vielen Menschen in den drei Ortsteilen geleistet wird.“ Oft werde sie gefragt, warum sie sich so für Flüchtlinge einsetze. Die Ursache liege wohl in ihrer Familie, die selber eine Fluchtvergangenheit habe.

Mechthild Wiesrecker, Westfälischer Anzeiger - 05.03.2018

Fotos von Mechthild Wiesrecker; WA 05.03.2018
Fotos von Mechthild Wiesrecker; WA 05.03.2018


bike repair - "in liebevolle Hände abzugeben"

Drensteinfurt - In der DAF-Fahrradwerkstatt „Bike Repair“ im Gebäude der alten Feuerwache greift ein Rädchen ins andere. Doch das Team muss in Zukunft auf Gudrun Treydte verzichten, die bisher die Fäden in der Hand gehalten hat und nun aus Stewwert wegzieht. Deshalb werden dringend weitere Helfer gesucht. In einer ländlichen Stadt wie Drensteinfurt, wo die einzelnen Ortsteile mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen, ist das Fahrrad als Fortbewegungsmittel unverzichtbar. Insbesondere für die dort wohnenden Flüchtlinge. Das hat der Deutsch-Ausländische Freundeskreis (DAF) schon vor Jahren erkannt und in den Räumen des evangelischen Gemeindehauses eine Fahrradwerkstatt und -ausgabe eingerichtet. Vom ersten Tag an dabei: Gudrun Treydte . Sie kümmerte sich seitdem um die Annahme der gespendeten Räder, führte Listen, an wen schon Leezen herausgegeben worden sind, koordinierte und überwachte die Ausgabetermine. Doch nun zieht Treydte weg aus Drensteinfurt. Und der DAF sucht dringend weitere Helfer, die an dieser Stelle anpacken können. Seit Juli 2016 ist die Werkstatt „Bike Repair“ im Gebäude der alten Feuerwache an der Sendenhorster Straße beheimatet. „Für uns ein Glücksfall“, betont Gudrun Treydte. Nun müssten die Räder nicht mehr umständlich in den Keller geschleppt werden, wie es an der Martinskirche der Fall war. Außerdem können Spender zum Ausladen bequem auf den Parkplatz hinter dem Gebäude fahren. Die Werkstatt ist in einem kleinen Anbau untergebracht. Dies ist das Reich von Franz-Josef Bregenhorn und Klaus Matuszewski. Sie reparieren ehrenamtlich zwei Mal pro Woche die Leezen und schlachten solche aus, die nicht mehr fahrtüchtig gemacht werden können. Häufig helfen die Flüchtlinge selbst mit – unter Anleitung der beiden Experten. „Das gesamte Werkzeug ist ebenfalls von Bürgern gespendet worden“, zeigt Bregenhorn stolz auf die Wand, an der Schraubenschlüssel und Zangen fein säuberlich aufgehängt sind. Zum Team gehören auch noch Dieter Losch und Waldemar Hoffmann, die weitere Räder im Keller des Schulzentrums reparieren. Seit dem Start im vergangenen Sommer sind insgesamt rund 90 Leezen wieder fit gemacht und weitere 50 ausgeschlachtet worden. Und immer noch spenden die Drensteinfurter fleißig ihre ausgedienten Fahrräder. Es greift also ein Rädchen ins andere. Und die Dienste von Gudrun Treydte, die auch noch in der Flüchtlingssprechstunde des DAF Beratungsarbeit geleistet hat, werden schmerzlich vermisst werden. Umso wichtiger ist es ihr, die Aufgabe „in liebevolle Hände abzugeben, wie man so schön sagt“. Was man an „Qualifikationen“ mitbringen sollte? „Konsequenz und Durchsetzungsvermögen“, sagt sie lachend. Manchmal sei es gar nicht so einfach, für jeden Flüchtling auf Anhieb das passende Fahrrad zu finden. „Dann muss man jemanden auch mal auf den nächsten Ausgabetermin vertrösten“, und das sei eben gar nicht so einfach. ► Wer sich bei „Bike Repair“ engagieren möchte, ob bei der Organisation oder in der Werkstatt, kann sich bei Waltraud Angenendt, ✆ 0 23 87 / 703, melden.

 

Westfälische Nachrichten 17.11.2017

Hand in Hand arbeitet das Team von „Bike Repair“ an der alten Feuerwache. In Zukunft müssen Franz-Josef Bregenhorn (li.) und Klaus Matuszewski aber auf die Unterstützung von Gudrun Treydte verzichten. Sie zieht weg aus Stewwert.  Foto: Nicole Evering
Hand in Hand arbeitet das Team von „Bike Repair“ an der alten Feuerwache. In Zukunft müssen Franz-Josef Bregenhorn (li.) und Klaus Matuszewski aber auf die Unterstützung von Gudrun Treydte verzichten. Sie zieht weg aus Stewwert. Foto: Nicole Evering


„Interkultureller Garten“ - DAF erhält Fördergelder

Drensteinfurt - Deutsch-Ausländischer Freundeskreis beantragt und erhält Fördergelder. Der Bund fördert das geplante Projekt „Interkultureller Garten“ mit knapp 10 000 Euro.

Für sein Projekt „Interkultureller Garten“ darf sich der Deutsch-Ausländische Freundeskreis über eine Finanzspritze des Bundes freuen. Wie die heimischen Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup (SPD) und Reinhold Sendker (CDU) mitteilen, erhält der DAF eine Summe von 9966 Euro aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung, Fördermaßnahme „500 LandInitiativen“, des BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft). „Wieder einmal zeigt sich, dass in unserem Kreis Warendorf viele kreative Menschen leben, die wichtige Themen wie die Lage von Geflüchteten durch gute Ideen für viele Menschen nahbar und erfahrbar machen“, freut sich Bernhard Daldrup über das Engagement des Freundeskreises, der bereits im Jahr 1988 von Alison Kreuzer, Walburg Dietrich, Waltraud Angenendt, Annette Mors und Marga Dahlhaus gegründet worden war und seitdem zahlreiche Hilfsangebote für geflüchtete Menschen in Drensteinfurt anbietet. „Ein Einsatz über solch einen langen Zeitraum ist etwas ganz Besonderes. Dafür möchte ich sämtlichen Vereinsmitgliedern und allen voran der Vorsitzenden Waltraud Angenendt, die von der ersten Stunde an mit dabei war und den Verein mitbegründet hat, ganz herzlich danken“, erklärt Reinhold Sendker. Mit dem Förderprogramm werde das Ziel verfolgt, ländliche Regionen noch attraktiver zu machen. Ab 2017 stünden dazu jährlich 55 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt allein für diese Initiativen zur Verfügung. Wie Bauamtsmitarbeiter Christoph Grabbe auf WN-Anfrage erklärte, soll der „Interkulturelle Garten“ auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche hinter der Dreingau-Halle entstehen. Ein entsprechender Pachtvertrag sei bereits geschlossen worden. Den geplanten Gemüsegarten, so Grabbe weiter, will der DAF gemeinsam mit Flüchtlingen und Schülern bewirtschaften.

 

Westfälische Nachrichten 17.07.2017, Dietmar Jeschke

Der Interkulturelle Garten nimmt Formen an :-) Februar 2018, DAF
Der Interkulturelle Garten nimmt Formen an :-) Februar 2018, DAF
Foto M. Wiesrecker, WA 02.04.2018
Foto M. Wiesrecker, WA 02.04.2018


Langes Warten, Bitten, Hoffen: Familie entkommt dem Krieg

Drensteinfurt - Als einer der ersten Flüchtlinge kam Mahmoud Zayat Ende 2015 aus Syrien nach Drensteinfurt. Während er zunächst in der Turnhalle in Walstedde Fuß in Deutschland fasste, drehten sich seine Gedanken Tag und Nacht um seine Frau und seine vier Kinder. Er musste damals seine Familie in der vom Krieg zerstörten Stadt Aleppo zurücklassen. Seit Ende des Jahres 2017 ist die Familie gesund und glücklich wieder vereint. Wie viele Telefongespräche zwischen Deutschland und Syrien hin und her gingen, wie viele Sorgen und Tränen die monatelange Trennung gekostet hat, wissen wohl nur die Betroffenen. Das am Ende alles gut ging, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Umstand, den alle Beteiligten mit großer Dankbarkeit betrachten. "Helft mir, Frau und Kinder nach Deutschland zu holen." Unzählige Male bat der 45-jährige Syrier jeden, der auf die eine oder andere Art mit ihm in Kontakt kam, sei es als ehrenamtlicher Helfer der Caritas, des deutsch-ausländischen Freundeskreises (DAF) oder der Stadt: „Helft mir, Frau und Kinder nach Deutschland zu holen.“ Ein Ansinnen, ebenso selbstverständlich wie zu Herzen gehend. Doch der Nachzug der Familie brauchte Zeit. Mahmoud Zayat nutzte diese, um die Sprache zu lernen und in Deutschland heimisch zu werden. Im August 2016 zog er von Walstedde in die Feuerwache nach Drensteinfurt. Sein Anliegen nahm er mit. Der DAF machte ihm klar: „Frau und Kinder müssen in die Türkei fliehen.“ Im Oktober gelingt ihnen das Vorhaben. Mahmouds Schwester, die bereits in der Türkei in der Stadt Yildirim in der Provinz Bursa wohnt, hilft, für die Familie eine Wohnung zu finden. Ein Meilenstein für den Syrer, ist doch die Familie zunächst in Sicherheit, raus aus der täglichen Bedrohung durch Bombenangriffe. Mitte Dezember 2016 wird Mahmoud Zayat die Flüchtlingseigenschaft anerkannt, nur einen Monat später stellt er den Antrag auf Familienzusammenführung. Im März 2017 zieht er mit dem Syrer Barho Issa in eine Wohnung in der Wagenfeldstraße, für beide ein weiterer Schritt in die Normalität. Für ihn zählt jeder Tag. Im Mai bekommt Familie Zayat in Izmir einen Termin bei der deutschen Botschaft. Es folgt ein umständlicher bürokratischer Akt, der durch das Fehlen des deutschen Ausweises des Vaters, dessen Ausstellung über Gebühr lange dauert, deutlich verzögert wird. Erst im Juli trifft der Ausweis ein und kann nach Izmir geschickt werden. Im August werden sämtliche Papiere von der deutschen Botschaft zwecks Prüfung nach Ahlen zur Ausländerbehörde geschickt. Bedingt durch die Urlaubszeit zieht sich der Vorgang bis zum Oktober hin, erst dann kann die Familie ihre Visa abholen. Für den Familienvater ist die deutsche Bürokratie unverständlich, er versteht die vielen Verzögerungen nicht, für ihn zählt jeder Tag, der den Zeitraum der Trennung unnötig verlängert. Auch die Helfer stoßen an ihre Grenzen, immer wieder müssen sie vertrösten und Hoffnung machen. Mit dem Visum gibt die Familie ihre Fingerabdrücke im Rathaus der Stadt Yildirim in der Türkei ab, erhält die Ausreiseformulare, Unterschriften werden gegeben und dann endlich kommt die ersehnte Ausreise. Am Ende wäre alles fast an fehlendem Wohnraum gescheitert, hätte nicht Zayats Mitbewohner, der Kinderarzt Barho Issa, auf seinen Platz verzichtet. Issa absolvierte zu diesem Zeitpunkt eine Qualifikationsmaßnahme in Heidelberg. Am 24. Oktober erleben Eltern und Kinder ihr persönliches Wunder. Am Flughafen in Düsseldorf können sie sich zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder in die Arme schließen. „Das war so überwältigend, dass mir die Tränen gekommen sind“, erinnert sich Karin Müller vom DAF, die Mahmoud Zayats Bemühungen um Familienzusammenführung unterstützt und begleitet hat und ihn schließlich auch gemeinsam mit Bernd Schweppe, einem weiteren ehrenamtlichen Helfer beim DAF, zum Flughafen brachte. Schon nach wenigen Monaten in Deutschland haben sich die Kinder gut eingelebt. Lujain (15) besucht die Teamschule, Joudi (8) und Sana (9) gehen zur Grundschule. Die beiden jüngeren Mädchen nahm die neunjährige, ebenfalls aus Syrien stammende Klassenkameradin Hala unter ihre Fittiche. Beide fühlen sich wohl und von den Klassen gut aufgenommen. Mohammed (16) geht für drei Tage in der Woche aufs Berufskolleg in Beckum. „Seine Lehrerin ist begeistert von seinen Fortschritten“, berichtet Karin Müller. Zusätzlich erhält er von Bernd Schweppe einmal pro Woche Deutschunterricht. Ehefrau Haifaa Khatib (44), die in Syrien als Hebamme gearbeitet hat, ist einfach nur glücklich, dass jetzt alle wieder zusammen sind und dazu in einem Land, in dem sie in Sicherheit leben können. Und der Kinderarzt Barho Issa? Für den fand der DAF zum 1. Dezember eine Ein-Personen-Wohnung direkt neben Familie Zayat. Syrische Freunde renovierten die Wohnung, da sich Barho noch in Heidelberg aufhielt. Am 20. Dezember konnte er einziehen. Jetzt wartet er auf eine Prüfung bei der Bezirksregierung in Stuttgart. Hat er diese absolviert, kann er sich auf eine Hospitationsstelle in den umliegenden Krankenhäusern bewerben. Und was sagt Mahmoud Zayat heute? Abgesehen von seinem Strahlen versichert er: „Ich habe nie die Hoffnung aufgegeben, meine Familie wiederzusehen. Deutschland ist ein Land, das Flüchtlingen hilft und dafür bin ich sehr dankbar.“

Mechthild Wiesrecker; Westfälischer Anzeiger 08.01.2018

Vater und Sohn umarmen sich am Flughafen. © Müller
Vater und Sohn umarmen sich am Flughafen. © Müller
Tochter Sana Zayat fällt ihrem Vater am Düsseldorfer Flughafen in die Arme.                 © Müller
Tochter Sana Zayat fällt ihrem Vater am Düsseldorfer Flughafen in die Arme. © Müller
Karin Müller hat die Familie lange begleitet. © M. Wiesrecker
Karin Müller hat die Familie lange begleitet. © M. Wiesrecker
Zwei Jahre des Bittens, Hoffens und Wartens liegen hinter ihnen: Die Familie Zayat ist wieder vereint. © M. Wiesrecker
Zwei Jahre des Bittens, Hoffens und Wartens liegen hinter ihnen: Die Familie Zayat ist wieder vereint. © M. Wiesrecker


DAF-Sportler starten bei Westerwinkellauf: Hazrati Erster

Drensteinfurt - Insgesamt 930 Sportler haben am Samstag am 29. Westerwinkellauf des SV Herbern teilgenommen. Mit dabei waren 8 LäuferIinnen und zwei Walker vom Deutsch-Ausländischen Freundeskreis Drensteinfurt (DAF). Bei strahlendem Sonnenschein fiel pünktlich um 14.20 Uhr der Startschuss für die Läufer der Fünf-Kilometer-Strecke. Bester Läufer vom DAF über diese Distanz war Yama Hazrati. Er erreichte nach 21:57 Minuten das Ziel und belegte damit den ersten Platz in seiner Altersklasse, dicht gefolgt von Reshad Fazly, der in einer Zeit von 22:32 Minuten Rang zwei in seiner Altersklasse schaffte. Nach 23:48 Minuten lief Sediq Faruki ins Ziel. Namitullah Armani benötigte für die Strecke 28:12 Minuten, Soheil Zandi und Amin Normohammadzadeh finishten nach 28:30 bzw. 28:31 Minuten. Beste Läuferin des DAF war Lima Osmani. Nach einem sechswöchigen Laufkurs im Frühjahr und regelmäßigem Training lief sie ihren ersten 5-km-Wettkampf in 34:04 Minuten. Viktor Karcev hatte sich für die 10-km-Strecke entschieden. In der Zeit von 54:26 Minuten erreichte er das Ziel und belegte damit den dritten Platz in seiner Altersklasse. Um 14.22 Uhr fiel für die 70 Walker der Startschuss für die 6-km-Strecke. Aus Drensteinfurt mit dabei waren Isabelle Karcev und Karin Müller. Isabelle Karcev benötigte 46:38, Karin Müller 48:23 Minuten. „Es war eine gelungene Veranstaltung, beim Silvesterlauf am Aasee in Münster sind wir auf jeden Fall wieder dabei“, sagte Karin Müller vom Deutsch-Ausländischen Freundeskreis.

Mechthild Wiesrecker; Westfälischer Anzeiger 08.11.2017

 

Diese Sportler starteten für den Deutsch-Ausländischen Freundeskreis Drensteinfurt in Herbern. © Ella Karcev/DAF
Diese Sportler starteten für den Deutsch-Ausländischen Freundeskreis Drensteinfurt in Herbern. © Ella Karcev/DAF



Genuss auf allen Sinnesebenen

Kochaktion mit Flüchtlingen


Der dritte Kochabend des Jahres der Gruppe „Über den Tellerrand“ war

eritreisch inspiriert: Unter der Leitung von Freweny Tesfämaryam erlebten die rund 25 Teilnehmer der Kochaktion mit Flüchtlingen einen Einblick in die Küche Eritreas, und das auf verschiedenen Sinnesebenen. Denn „es riecht sehr lecker“, wie Ahmad Reshad Fazly lächelnd befand. Und so schmeckte es auch. Während einige das Gericht als scharf bezeichneten, lobten andere die Würze der Speise.

Doch was eigentlich zählt: Alle Teilnehmer hatten viel Spaß bei der Sache, und in der gelösten Stimmung kostete es die Flüchtlinge und auch die Einheimischen keinerlei Überwindung, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Der nächste gemeinsame Koch-Termin wird am 18. Mai stattfinden. Im Juni wird aufgrund des Ramadans nicht gekocht.

-lin- Westfälische Nachrichten vom 07.04.2017 

Foto: -lin-
Foto: -lin-


Fußball-Integrationsteam siegt

Besser hätte es nicht laufen können: Gleich in ihrem ersten Spiel schaffte die Integrationsmannschaft, die der SV Drensteinfurt und der Deutsch-Ausländische Freundeskreis ( DAF) ins Leben gerufen haben, einen Sieg. Gegen die Hobbytruppe WSV Erdbüsken aus Ascheberg setzte sie sich am Sonntagnachmittag auf dem Kunstrasenplatz im Erlfeld mit 6:4 (3:2) durch. Das Team, in dem überwiegend Syrer und Afghanen spielen, ging bereits in der ersten Minute in Führung. Nach dem Ausgleich (6.) trafen die Gastgeber per Doppelschlag zum 3:1 (20., 22.), ehe den Aschebergern der Anschlusstreffer gelang (27.). 3:2 stand es auch zur Pause. Nach dem Seitenwechsel zog das Integrationsteam auf 6:2 davon (41., 46. und 49.). Gegen Ende der Partie – Schiedsrichter war Heinz-Dieter Heinrich – ging den Asylbewerbern allerdings die Puste aus, so dass der WSV Erdbüsken noch auf 6:4 verkürzen konnte (65. und 75.). Dieter Stracke, der die Truppe mit viel Herzblut trainiert, und die beiden Betreuer Rudi Naerger und Manfred Kunz waren nach

dem Erfolg natürlich zufrieden. Jeden Freitag und nun auch dienstags – jeweils ab 19 Uhr – bieten sie im Sportzentrum Erlfeld ein offenes Training für Flüchtlinge und andere Interessierte an. Seit April 2016 gibt es das Angebot von SVD und DAF laut Naerger bereits. „Die Trainingsbeteiligung liegt immer bei etwa 17 Mann“, sagt Stracke. Um einheitlich auftreten zu können, hat die Mannschaft einen Satz weinrote Trikots gesponsert bekommen. Als Gegner beim Debüt stellte sich der WSV Erdbüsken zur Verfügung. Der Westerbauer-Sportverein wurde

im Jahr 1979 gegründet und ist eine Hobbymannschaft. Dem WSV gehören nach eigenen Angaben zurzeit 144 Mitglieder an.

Matthias Kleineidam, Dreingau-Zeitung, 22.03.2017

Foto: Kleineidam
Foto: Kleineidam


Flüchtlinge mit DAF auf Demo in Berlin

Drensteinfurt - Berlin, 20.01.2017
Am späten Freitagabend machten sich Isabelle und Eleonore Karcev, Rudi Naerger und Karin Müller vom Deutsch-Ausländischen Freundeskreis Drensteinfurt auf dem Weg nach Berlin, um am Samstagmittag an der Demo „ Agrarkonzerne – Finger weg von unserem Essen“ teilzunehmen. Durch finanzielle Unterstützung des Ortsverbandes Bündnis 90 / Die Grünen ergab sich für 4 junge Flüchtlinge aus Drensteinfurt die Möglichkeit, ebenfalls dabei zu sein. Neben 18.000 Menschen und 130 Traktoren mit Bauern und Bäuerinnen aus ganz Deutschland demonstrierte die kleine Gruppe aus Drensteinfurt für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft und faires Handeln. Für die Drensteinfurter Flüchtlinge war es eine interessante Erfahrung, aktive Demokratie, insbesondere das Recht auf freie Meinungsäußerung hautnah erleben und mitgestalten zu können; die jungen Männer hatten viele Fragen zum Thema Demonstration im Allgemeinen sowie zur aktuellen Demo, die beantwortet und diskutiert wurden. Im Anschluss erlebte die Gruppe in einer geführten Rundfahrt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Berlin, bis sie sich dann am späten Samstagabend müde, aber mit vielen beeindruckenden Erfahrungen auf den Heimweg machte.
Karin Müller




Warten auf den Nikolaus hat sich gelohnt

Drensteinfurt

Mit Bischofsmitra und edlem Gewand besucht er die Kinder beim Deutsch-Ausländischen Freundeskreis

Der echte Nikolaus von Myra hätte sich angesichts der 60 Jungen und Mädchen, die aufgeregt der Ankunft seines irdischen Vertreters entgegenfieberten, von Herzen gefreut. Das Gemeindehaus der evangelischen Kirche platzte am Freitagnachmittag aus allen Nähten. Mehr als 200 Asylbewerber waren zur Nikolausfeier des Deutsch-Ausländischen Freundeskreises (DAF) gekommen.

Es war ein guter Vorgeschmack auf Weihnachten, das Fest des Friedens. Frauen und Männer aus den verschiedensten Ländern saßen bei Gebäck und Kaffee im Gespräch zusammen. Die Kinder spielten friedlich miteinander in gespannter Erwartung, was der Nachmittag bringen wird.
Bevor als Höhepunkt Sprachlehrer Theodor Lohölter als Nikolaus zu Besuch kam, gab es ein unterhaltsames Programm. Begeistert lauschten die Anwesenden der Musik von Hamed Sepehripour aus dem Iran. Auf der Santur, einem klassischen iranischen Instrument, spielte er besonders zur Freude der einheimischen Besucher sogar das bekannte Stille Nacht, Heilige Nacht. Die Santur ist mit dem Psalterium verwandt, das als Urform der Zither oder des Hackbrettes gilt. Es ist im Iran ein wichtiges Instrument in der klassischen Musik. Die beiden Chinesinnen Sophia Wang (8) und Yun Tin Wang (10) präsentierten weihnachtliche Musik mit Querflöte und Geige.

Auch Bürgermeister Carsten Grawunder war mit Vertreterinnen des Sozialamtes gekommen, um mit den Asylbewerbern zu feiern und ins Gespräch zu kommen. In seiner Ansprache wies er daraufhin, dass vielleicht schon im kommenden Jahr neue Flüchtlinge nach Stewwert kämen. Darum bat er die Anwesenden: „Sie haben hier eine vorbildliche Willkommenskultur erfahren, bitte geben Sie die an mögliche Neuankömmlinge weiter.“ Ausdrücklich lobte er die Ehrenamtlichen, ohne die die gute Versorgung der Asylbewerber gar nicht möglich gewesen wäre.

Als dann der Nikolaus zur Tür kam, wurde er von den vielen Kindern umringt, die mit großen Augen zu ihm aufschauten. Theodor Lohölter sah mit der Bischofsmitra, dem edlen Gewand und seinem langen weißen Bart tatsächlich wie der echte Nikolaus aus und könne, wie Sophia Wang versicherte, nur an seinem Stab erkannt werden - „der echte Nikolaus hat doch keinen mit Goldpapier beklebten Stab“. Nachdem der „heilige Mann“ die Geschichte des Nikolaus‘ von Myra erzählt hatte und ein Lied gesungen wurde, erhielt jedes Kind eine Tüte mit einem kleinen Geschenk und Süßigkeiten.

Waltraud Angenendt, erste Vorsitzende des DAF, zeigte sich erfreut und überwältigt angesichts der großen Resonanz.

mew / Westfälischer Anzeiger vom 12.12.2016




Flüchtlingsfrauen lernen Fahrradfahren

DRENSTEINFURT – Mit strahlenden Augen nahmen die neun Frauen aus Syrien, Nigeria und dem Libanon am Mittwochnachmittag ihre Teilnahmeurkunden für die absolvierte Radfahrschulung entgegen. In neun Unterrichtseinheiten hatten Petra Holler-Kracht, Vorstandsmitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), und die Drensteinfurterin Ulla Kunz die Fahranfängerinnen, die jetzt in Rinkerode, Herrenstein, Mersch und Stewwert wohnen, nicht nur in die Kunst des Fahrradfahrens eingeführt, sondern auch mit den Regeln des Straßenverkehrs vertraut gemacht.
„Ohne die Hilfe des Deutsch-Ausländischen Freundeskreises (DAF) und der Fahrradwerkstatt bike-repair hätten wir das gar nicht geschafft“, versicherte Holler-Kracht. Nicht vergessen werden dürften auch die Drensteinfurter, die ein Jugend- oder Klappfahrrad gespendet oder kostenlos und spontan geliehen hatten. „Am Anfang konnten die neun Frauen im Alter von 26 bis 52 Jahren nicht einmal das Gleichgewicht halten“, erinnerte sich die Radfahr-Expertin. Darum war der erste Schritt, Gleichgewicht halten auf dem Roller. Dann montierten die Männer vom „bike repair“ zunächst vorübergehend die Pedalen an den Fahrrädern ab und erhielten so eine Art Laufrad. Notwendige Reparaturen führten die Männer von der Werkstatt ebenfalls aus.
Karin Müller vom DAF freut sich: „Die Frauen sind durch den Kurs selbstbewusster geworden“. Sie hätten gelernt, wie wichtig es ist, etwas für sich zu tun. Hane Tadgi aus Syrien freut sich: „Ich bin noch nie Fahrrad gefahren und hatte total Angst. Jetzt fühle ich mich ganz sicher.“ Dann fügt die 28-Jährige angesichts der Frauen, die eine Kostprobe ihres Könnens gaben, schmunzelnd hinzu: „Am ersten Tag sind wir noch alle umgefallen.“ Genauso positiv sieht das auch Rajina Mohammad, ebenfalls aus Syrien: „Ich bin sehr zufrieden. Jetzt kann ich alleine einkaufen fahren. Tausend Dank allen, die uns geholfen haben.“


Mechthild Wiesrecker 24.08.2016 / Westfälischer Anzeiger



Fahrrad-Reparaturen bei bike-repair

Die Fahrradwerkstatt "bike repair" von und für Flüchtlinge/n besteht Probezeit mit Bravour

 

Vor 4 Wochen wurde die Fahrradwerkstatt „bike repair“ von und für Flüchtlinge/n hinter der Alten Feuerwache in Drensteinfurt eröffnet. Inzwischen ist klar: der Bedarf war und ist groß. Über 100 Fahrräder wurden bislang bereits repariert, weiß Organisator Franz-Josef Bregenhorn vom Deutsch-Ausländischen Freundeskreis über die Erfahrungen der ersten Wochen zu berichten.
Diese hohe Schlagzahl ist möglich, weil nicht nur das ehrenamtliche Organisatoren-Team der Fahrradwerkstatt, sondern auch die Besitzer der reparaturbedürftigen Drahtesel mit anpacken: die Flüchtlinge selbst wollen und sollen Kleinreparaturen durchführen. Das Team stellt dabei das Werkzeug zur Verfügung, berät und schaut den Flüchtlingen während der Reparatur über die Schulter.
Die vorgesehenen Öffnungszeiten -jeden Montag und Mittwoch von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr- werden fast immer auf 3 oder 4 Stunden ausgedehnt. Die Arbeit macht allen viel Freude. Es wird geschraubt und geölt. Ein Lächeln und ein Dankeschön der Flüchtlinge nach erfolgreicher Reparatur ist dem Team immer sicher.
Oft passiert auch Kurioses und Lustiges: Kürzlich wollte ein eifriger Hobby-Reparateur seine Kette mittels einer Kombizange kürzen. Die Fachleute vom Team rieten ihm zu einer alternativen Therapie, denn die Kette war nicht zu lang gewesen, sondern lediglich vom Zahnkranz gesprungen … Auch das Aufpumpen eines Reifens will gelernt sein; bereits zwei Fahrradpumpen haben erste Pumpversuche nicht schadlos überstanden, da zuvor keine Ventile eingesetzt und verschraubt wurden … Aber aus diesen kleinen Missgeschicken lernen viele, denn die Flüchtlinge reparieren fast immer mit anderen Flüchtlingen zusammen: einer schraubt, weitere schauen zu, beraten, kommentieren und diskutieren Lösungsmöglichkeiten. Zur Not helfen die Fachleute vom Team weiter. Überwiegend verständigen sich die Schrauber -ja, vornehmlich Vertreter des starken Geschlechts- in Deutsch oder ergänzend mit Händen und Füßen, so Franz-Josef Bregenhorn. Auch werden die in Deutsch beschrifteten Werkzeuge und Info-Tafeln erklärt und besprochen. So wird die Fahrradwerkstatt zum zusätzlichen Raum für Deutschunterricht.

Besonders freut sich Franz-Josef Bregenhorn darüber, dass immer alle Werkzeuge wieder an ihren dafür vorgesehenen Platz an die Wand gehängt werden und zudem noch kein einziges Werkzeug abhandengekommen ist. Wie selbstverständlich werden gemeinsam bei "Feierabend" die noch nicht wieder abholbereiten Fahrräder wieder in die Werkstatt gebracht. Die Fahrradwerkstatt von und für Flüchtlinge/n hat ihre Probezeit mit Bravour bestanden, ist man sich einig.

Eine große Überraschung gab es an einem der ersten Öffnungstage: Ein 65jähriger Stewwerter besuchte mit dem Fahrrad seiner Nichte „bike repair“. Nach einer Besichtigung der Werkstatt, in der er das von ihm schon vor Wochen gespendete Werkzeug übersichtlich sortiert an der Wand wiederfand, übergab er das mitgeführte und verkehrstüchtige Fahrrad als weitere Spende den eifrigen Schraubern. Damit nicht genug: 180 Euro hatte der spendenfreudige Herr auch noch im Gepäck und überließ es dem staunenden Team von „bike repair“. Das Geld hatte er ein paar Tage zuvor auf seiner Geburtstagsparty zum 65. von seinen Gästen eingesammelt, die er anstelle eines sonstigen Geschenkes um eine Spende für die Fahrradwerkstatt gebeten hatte. „Wir haben uns riesig gefreut!“, sieht man Franz-Josef Bregenhorn strahlen. Der unverhoffte Geldsegen macht jetzt die Anschaffung des noch fehlenden Spezialwerkzeuges möglich und reicht auch noch für so genannte Betriebsmittel wie Öl, Fette, Flickzeug, Beleuchtung, Fahrradschläuche, Klingeln und anderes, was aus alten, gespendeten Rädern nicht ausgeschlachtet werden kann.
Einige Tage nach der Geldspende zog es den frisch gebackenen 65jährigen erneut zu „bike repair“. Diesmal hatte er ein Klapprad im Schlepptau. Er hatte in der Zeitung von dem DAF-Fahrradkurs für Flüchtlingsfrauen gelesen; dort fehlte es an Laufrädern. Postwendend wurde das Klapprad sanft seiner Pedalen beraubt und dient nun den Flüchtlingsfrauen im Fahrradkurs als Laufrad für die Gleichgewichtsübungen.
Das Team von „bike repair“ bedankt sich ganz herzlich bei allen Spendern, die ihr/e Werkzeug und gebrauchten Räder zur Instandsetzung oder Ausschlachtung unentgeltlich hergeben und so das integrative Projekt der Fahrradwerkstatt hinter der Alten Feuerwache elementar unterstützen. Wer noch Fahrradzubehör wie z.B. Sättel, Fahrradkörbe, Rücklichter, Scheinwerfer oder Leuchtmittel erübrigen kann, ist damit zu den Öffnungszeiten in der Werkstatt herzlich willkommen.
08.08.2016



Deutschschüler des DAF                                                                 im Münsteraner LWL-Museum

In der vergangenen Woche stand -wie es sich für Schüler am letzten Tag vor den Ferien gehört- einmal kein Unterricht für die DeutschschülerInnen des Deutsch-Ausländischen Freundeskreises e.V. (DAF) auf dem Plan: Am Freitag ließen sie die Grammatik- und Vokabelhefte in ihrem Unterrichtsraum im Drensteinfurter Kulturbahnhof liegen und fuhren stattdessen mit ihren Sprachlehrern Theodor Lohölter und Margot Stadie per Zug nach Münster zum 2014 eröffneten Neubau des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Der Drensteinfurter DAF um Waltraud Angenendt hatte zu diesem Ausflug eingeladen, um die engagierten Deutschschüler und -lehrer für ihren Fleiß zu belohnen. Im Foyer wurden sie schon von der Museumspädagogin Christa Heistermann erwartet, die vielen als Vorsitzende des Drensteinfurter Kunst- und Kulturvereins bekannt ist. Sie führte fachkundig durch das beeindruckende Gebäude. Waltraud Angenendt berichtet, der Schwerpunkt der Führung sei das Haus selbst gewesen mit seiner faszinierenden Architektur. Aber auch an den Kunstwerken zeigten sich die Flüchtlinge sehr interessiert. Vor allem in den Räumen, in denen Werke zu christlichen Glaubensinhalten ausgestellt waren, entwickelten sich angeregte Diskussionen über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Islam und Christentum. Nach einem Erfrischungsgetränk stieg die Gruppe wieder in den Zug nach Stewwert, wo man sich weiter über das Gesehene und Gehörte austauschte. Für Waltraud Angenendt gehören solche Unternehmungen zu den Highlights der ehrenamtlichen Arbeit für die Integration ausländischer Menschen. Nähere Infos über das LWL-Museum in Münster und den Drensteinfurter DAF finden sich unter www.lwl.org/LWL/Kultur/museumkunstkultur/das_museum/ueber-uns und www.daf-drensteinfurt.de
08.07.2016



DFB-Stiftung ehrt SVD und DAF

Drensteinfurt - Jeden Freitag ab 19 Uhr bietet der Sportverein Drensteinfurt (SVD) in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Ausländischen Freundeskreis (DAF) ein freies Training für Flüchtlinge an. Für diese Integrationsarbeit ist das Projekt nun von der DFB-Stiftung Egidius Braun geehrt worden. Norbert Reisener, Vorsitzendes des FLVW-Kreises 24 Münster, überreichte den Verantwortlichen einen Scheck der Stiftung in Höhe von 500 Euro.
„Sie bieten ankommenden Menschen ein Stück neue Heimat“, lobte Reisener, „und kümmern sich mit viel Herzblut um die Schutzbedürftigen.“ Das Geld sei eine Anerkennungsprämie, „um die Kosten abzufedern“, sagte Reisener. Der Chef des Fußballkreises hatte auch noch zwei Bälle für das offene Training mitgebracht. „Bälle haben wir jetzt genug“, freute sich Rudi Naerger vom DAF, der sich zusammen mit den Trainern Dieter Stracke, Volker Hugemann und Manfred Kunz freitags um die Flüchtlinge kümmert. Die Verantwortlichen haben natürlich schon Ideen, in welche Trainingsmaterialien das Geld investiert werden kann. Ein Fußballtennis-Set, bestehend aus Netz, Stangen und Halterung, wäre schön, so Naerger.
Die von der Stiftung bereitgestellten finanziellen Mittel sind bis Ende des Jahres zu verwenden, die Ausgaben müssen nachgewiesen und ein Sachbericht zum Projekt „Kicken mit Flüchtlingen“ muss erstellt werden. Alexander Moos, Sportlicher Leiter der Fußball-Senioren, hatte den Tipp bezüglich der Fördermöglichkeit von der langjährigen SVD-Jugendobfrau Ulla Kunz erhalten und den Antrag bei der DFB-Stiftung gestellt. Einige Flüchtlinge seien bereits in die Jugendmannschaften des Stewwerter Sportvereins integriert worden, berichtete er Reisener. 2000 Vereine wurden bundesweit im Rahmen der Initiative „1:0 für ein Willkommen“ bereits für ihre Flüchtlingsarbeit ausgezeichnet. Seit März 2015 wurde damit bereits eine Million Euro bewilligt. Im Fußballkreis Münster sei der SVD erst der zweite Verein nach Davaria Davensberg, der 500 Euro erhalten hat, so Reisener.

Text und Foto Matthias Kleineidam / WA vom 06.07.2016-

"1:0 für ein Willkommen": Im Namen der DFB-Stiftung Egidius Braun überreichte der Fußballkreis-Vorsitzende Norbert Reisener (2.v.r.) den Verantwortlichen 500 Euro. Das Bild zeigt (v.l.) Ulla und Manfred Kunz, Karin Müller, Rudi Naerger und Alexander Moos.
"1:0 für ein Willkommen": Im Namen der DFB-Stiftung Egidius Braun überreichte der Fußballkreis-Vorsitzende Norbert Reisener (2.v.r.) den Verantwortlichen 500 Euro. Das Bild zeigt (v.l.) Ulla und Manfred Kunz, Karin Müller, Rudi Naerger und Alexander Moos.



Menschenkette für Menschenrechte

Drensteinfurt - Bundesweit reichten sich am Wochenende Menschen die Hände, um gemeinsam gegen Rassismus und für Menschenrechte und Vielfalt einzustehen.
Auch in Drensteinfurt bildeten 200 Teilnehmer unterschiedlichen Alters vor der Alten Post eine lange Menschenkette, um ihre Solidarität auszudrücken. Den Aufruf in Stewwert hatten die beiden Kirchen gemeinsam mit dem Deutsch-Ausländischen Freundeskreis (DAF) organisiert.


Kurz vor 12 Uhr leitete Nicole Semptner-Schote mit dem Lied „We shall overcome“ , begleitet von Francisco Puente auf der Gitarre, die Aktion ein. „Ich bin froh und überrascht, dass so viele gekommen sind“, erklärte Waltraud Angenendt vom DAF. Das Lied „We shall overcome - Wir werden es überwinden“ habe Martin Luther King gesungen, als er mit 250.000 Menschen nach Washington gezogen war, um gegen Rassentrennung zu demonstrieren. Bis nach Südafrika habe es seinen Weg gefunden und wurde dort in den Jahren der Anti-Apartheidsbewegung gesungen. Auch heute, in Deutschland, finde Fremdenhass statt. In Hiltrup wurde zweimal ein Flüchtlingsheim in Brand gesteckt und in Münster ließ man einen Afghanen in Begleitung zweier Deutscher nicht in die Disco, erinnerte Angenendt an jüngste Vorfälle. „Ein Land, das seine Minderheiten nicht schützt, ist auf den Weg in die Diktatur“, rief sie eindringlich. Symbolisch verteidigten sie mit der Menschenkette auch das Grundgesetz, fügte sie hinzu.

Auch Pfarrer Jörg Schlummer freute sich über die gute Beteiligung. „Zieht den Kreis nicht so klein“, erinnerte er an ein bekanntes neues geistliches Lied. Die Menschenkette sei ein besonders machtvolles Zeichen, das als Bild haften bleibe und Einfluss bringe. „Wir fassen uns an den Händen. Hände, die gleichermaßen abwehren, aber auch halten können, sie können schlagen, aber auch zärtlich streicheln“, resümierte er. „Heute reichen wir uns rechts und links die Hand, damit Drensteinfurt menschlich bleibt, zeigen Flagge für ein offenes Europa im Großen wie im Kleinen.
“Noch sichtlich bewegt von seinem Erlebnis auf der Rückreise von Dover nach Calais schilderte Felix Kleineidam seine Empfindungen beim Anblick der riesigen Lager, die halb so groß wie Stewwert seien. „Ich habe drei Meter hohe Zäune mit Stacheldraht gesehen, Menschen verschiedener Nationalitäten leben dahinter“, erklärte er. In Calais, einer Hafenstadt im Norden Frankreichs, erhoffen Geflüchtete, illegal mit dem Zug oder LKW durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Tausende Flüchtlinge leben dort unter menschenunwürdigen Bedingungen. „So etwas wollen wir hier nicht. Leute, das schaffen wir“, rief Felix Kleineidam der Menge zu.
Der 28-jährige Saleh Alshami, ein Flüchtling aus Syrien, drückte aus, was ihn angesichts der Sympathiebekundung bewegte: „Ich habe keine Worte, nur, vielen Dank für die guten Leute in Drensteinfurt.“

Noch während sich die Menschen an den Händen hielten, wurden noch einmal die Strophen des Liedes „We shall overcome - eines Tages werden wir in Frieden, Freiheit und ohne Angst miteinander gehen“ gesungen.

Mechthild Wiesrecker/Westfälischer Anzeiger, 20.06.2016

etwa 200 Menschen versammelten sich am Sonntagmittag, 19. Juni 2016, vor der Alten Post in Stewwert
etwa 200 Menschen versammelten sich am Sonntagmittag, 19. Juni 2016, vor der Alten Post in Stewwert
Waltraud Angenendt moderierte
Waltraud Angenendt moderierte


Drensteinfurter Flüchtlinge auf der "jobmesse Münsterland"

Isabelle Karcev vom Drensteinfurter DAF besuchte am Samstag, 21.05.2016, zusammen mit Flüchtlingen die 10. „jobmesse münsterland“ in Münster/Halle Münsterland.
Isabelle berichtete uns dazu:
An unserem heutigem „Ausflugstag“ nach Münster fuhren wegen Bauarbeiten an den Gleisen zwischen Rinkerode und Hamm keine Züge. Der erste Bus des Schienenersatzverkehrs blieb uns verwehrt, da es drinnen nicht mehr auch nur einen Quadratzentimeter Platz gab. Eine Frau mit Kind und Kinderwagen blieb auch in Drensteinfurt stecken, wie unsere Gruppe. Eine Viertelstunde später hatten wir aber Glück, es klappte doch noch mit dem Einstieg. Wir blieben über 2 Stunden auf der Jobmesse und einige der Flüchtlinge unserer Gruppe versorgten sich mit Informationen, ohne dass ich ihnen dabei helfen musste. Das hat mich sehr überrascht und gefreut! Ich glaube auch, dass allen hautnah bewusst geworden ist, dass es Arbeit für sie geben kann, aber dass man dafür Deutsch sprechen können muss, zumindest gut verstehen.
Ich habe anschließend ein paar Firmenstände besucht, um weitere Infos für die nicht mitgereisten Flüchtlinge zu sammeln. Ein kritischer Punkt ist fast überall der Führerschein: Auch bei der BASF sind zur Zeit Stellen frei, aber die Bewerber müssen als Voraussetzung zum Staplerfahren unbedingt einen Führerschein besitzen.
Unser Ausflug war teilweise abenteuerlich, aber sehr interessant, lehrreich und für mich persönlich ein positives und motivierendes Erlebnis: Flüchtlinge nehmen die Suche nach einem Job selbst in die Hand und erfahren aus erster Hand, worauf es dabei ankommt.

die Drensteinfurter Flüchtlinge auf der "jobmesse münsterland"
die Drensteinfurter Flüchtlinge auf der "jobmesse münsterland"



DAF gewinnt den Ehrenamtspreis 2014

DRENSTEINFURT - Alle zwei Jahre verleiht die Akademie Ehrenamt im Kreis Warendorf den Ehrenamtspreis. In diesem Jahr hat der Deutsch-Ausländische Freundeskreis aus Drensteinfurt den ersten Platz gewonnen.
Unter dem Motto „Engagiert für Vielfalt!“ konnte in diesem Jahr ein Drensteinfurter Verein die Jury von seinem außergewöhnlichen Engagement überzeugen. Bei der Preisverleihung konnte sich der Deutsch-Ausländische Freundeskreis (DAF) nicht nur über viele anerkennende Worte, sondern auch über eine stattliche Preissumme in Höhe von 1500 Euro freuen. Der Stewwerter Verein teilt sich den ersten Preis mit dem Telgter Verein „Zib - Zusammen ist besser“. „Ich finde es wunderbar, dass es ein gemeinsamer Preis ist. Wir machen eigentlich dasselbe und da wäre es schade gewesen, wenn nur eine Gruppe ausgezeichnet worden wäre“, erzählt DAF-Vorsitzende Waltraud Angenendt.
Besonders beeindruckt hatte die Jury die lange Vereinsgeschichte sowie die anhaltende Ausdauer der Drensteinfurter Ehrenämtler. Angenendt selbst engagiert sich seit 1981 für die Flüchtlingshilfe, seit 1988 ist der DAF ein eingetragener Verein. Mit den 1500 Euro Preisgeld möchte der Verein laufende Maßnahmen wie den Sprachkursus für Asylbewerber finanzieren, aber auch finanzielle Nothilfe bieten und das Miteinander durch Feste und Ausflüge stärken. So könnten mit dem Geld Fahrtkosten abgedeckt oder in besonderen Fällen Rechtsbeihilfe finanziert werden. „Brenzlige Situationen haben wir genug“, weiß die Vorsitzende zu berichten. So arbeite der Verein derzeit an der Familienzusammenführung der Asylbewerberin Razia Akari (WA berichtete), deren Mann und drei Kinder bei ihrer Flucht in Griechenland zurückgeblieben sind. „Die genaue Verwendung wird im Team abgesprochen“, erklärt sie. Gestern Abend kam der Vorstand im Rahmen der monatlichen Vorstandssitzung zu einer kleinen Feierstunde zusammen. Auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht hatten Bekannte und Weggefährten des Vereins. „Von dem Motto Vielfalt fühlten wir uns natürlich sehr angesprochen“, so Angenendt. Deshalb sei es dem Vorstand auch nicht schwer gefallen, die Gruppe und ihre Tätigkeiten in einem Bewerbungsschreiben über vier Seiten vorzustellen. Zusammen mit einigen Fotos gelang es dem Verein so, das multikulturelle Miteinander der Gruppe und die Vielseitigkeit der Aufgabenfelder und Aktivitäten wiederzugeben. Bei der Verleihung am 05.03.2015 im Forum der Sparkasse Münsterland Ost in Warendorf war die Freude dann groß: „Keine der Gruppen wusste vorher, wer einen Preis erhalten würde.“ Die Auszeichnung sieht Angenendt als Anerkennung für alle Gruppen, die mittlerweile in dem Bereich Flüchtlingshilfe aktiv sind. „Es ist wunderbar, dass sich im Kreis Warendorf so viele Menschen für das Thema einsetzen“, sagt sie.
- cpl (Westfälischer Anzeiger, 10.03.2015)



 Förderpreis „Das Salzkorn“ in 2005 für den DAF