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Demo Seebrücke

Am Samstag 7. Mai 2022

Kein Mensch ist illEGAL

"Seebrücke" fordert eine andere Flüchtlingspolitik, die für ALLE geflüchteten Menschen gilt.

 

"Seebrücke" fordert unter anderem:

 

- die Aufnahme der Menschen an der belarussisch-polnischen Grenze in die EU


- den Zugang zu fairen Asylverfahren für ALLE geflüchteten Menschen


- die Abschaffung der Dublin-Verordnungen


- die Abschaffung der Zwangsunterbringung in Massenunterkünften


- die freie Wahl des Aufnahmelandes und des Wohnortes


- den freien Zugang zum Arbeitsmarkt in nicht prekären Jobs


- den Zugang zu Sprach- und Integrationskursen für ALLE.

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SPD dankt Deutsch-Ausländischem Freundeskreis Drensteinfurt für „unverzichtbare Arbeit“

11. März 2022. Das Treffen fand vor Beginn des Krieges in der Ukraine statt.

Ankommen – das ist es, was sich alle Geflüchteten wünschen. In Drensteinfurt erhalten sie dabei seit über 40 Jahren Unterstützung vom Deutsch-Ausländischen Freundeskreis.
Die Landtagsabgeordnete Annette Watermann-Krass steht mit dem engagierten Verein um den fünfköpfigen Vorstand schon lange im engen Austausch. Im Februar übergab sie den „Staffelstab“ der langjährigen Partnerschaft an ihren potenziellen Nachfolger, den Ahlener Frederik Werning, der im Mai für die SPD in den Landtag einziehen möchte. Ebenfalls zu Gast bei dem Gespräch war Dr. Elmar Stracke, sachkundiger Bürger der SPD-Ratsfraktion in Drensteinfurt.

Ehrenamt braucht Hauptamt

Während die Vorstandsmitglieder des DAF von ihrem Engagement und ihren Erfahrungen berichten, wird deutlich, dass sie bei ihrem aufwendigen Einsatz für geflüchtete und geduldete Menschen immer wieder vor einem Schnittstellenproblem stehen: Der Bürokratie. „Finanzen, Steuern, Genehmigungen, Anträge – all das ist ehrenamtlich kaum zu bewältigen“, berichtet ein Vorstandsmitglied. So geschehen auch bei einem langfristigen Projekt gemeinsam mit der Teamschule Drensteinfurt: Im interkulturellen Garten arbeiten und ernten Schüler:innen und Geflüchtete gemeinsam. „Die Vielzahl an Auflagen hat uns zu Beginn jedoch das Leben schwer gemacht“, weiß die Dame, die sich im Vorstand um die Finanzen kümmert, aus eigener Erfahrung.
Das Problem ist für Annette Watermann-Krass nicht neu: „Gerade bei den komplizierten bürokratischen und formellen Anliegen muss das Ehrenamt mehr Unterstützung aus dem Hauptamt erhalten. Das muss dieses Engagement den Kommunen, aber auch dem Land NRW wert sein.“ Frederik Werning ergänzt: „Die Einrichtung einer Ehrenamtskoordinationsstelle kann für jede Kommune nur ein Gewinn sein – für die Engagierten, die diese Unterstützung brauchen und verdienen, natürlich sowieso.“

Verein sieht Nachholbedarf bei Integrationspolitik

Ein weiteres Problem, auf das die Mitglieder des Vereis aufmerksam machen, ist die Lage der Integrationspolitik. Ein Mitglied des Vorstands berichtet von ihren Erlebnissen: „Die Tortur, die traumatisierte und entwurzelte Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat erleben müssen, ist absolut menschenunwürdig.“ Hier engagiert sich der Verein enorm für eine Verbesserung, doch auch der Deutsch-Ausländische Freundeskreis kann nicht alle politischen und gesellschaftlichen Hürden überwinden. „Große Schwierigkeiten bereitet nach wie vor die Anerkennung von Geduldeten und damit die Möglichkeit, langfristige Sicherheit und eine Heimat zu finden“, berichtet die Vorsitzende. Eine ehrenamtliche Helferin, die zahlreichen Geflüchteten beim Ausbildungs- und Berufseinstieg in der Region geholfen hat, ergänzt: „Bei der Suche nach Arbeit, nach einer Wohnung, oder eben dem Versuch der behördlichen Anerkennung, herrschen oft menschenunwürdige Verhältnisse.“
Geflüchtete genau dabei zu begleiten, koste viel Kraft, aber sei auch genau das, was die Arbeit des Vereins so wertvoll mache. „Der Deutsch-Ausländische Freundeskreis trägt seit Jahren dazu bei, dass Menschen hier in Drensteinfurt eine neue Heimat finden können“, resümiert Annette Watermann-Krass. „Und dafür verdienen sie unsere volle Unterstützung“, fügt Frederik Werning abschließend hinzu.

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Mund-Nasen-Schutz Spendenaktion

In den letzten Wochen hat Elisabeth Altenbach jede freie Minute damit verbracht Masken zu nähen. Die bunten und kreativen Mund-Nasen-Schutze verschenkte sie oder gab sie gegen eine Spende weiter. Auf diese Weise kam bereits das Büchereiteam, die Tafel und der Verein Sonnenstrahl in den Genuss einer Geldspende von je 500 Euro.

Weitere 200 Euro erhielt das Mammut Tierheim in Ahlen. Jetzt hat die emsige Drensteinfurterin erneut Geld für den guten Zweck zusammen. Am Montagmittag überreichte sie Karin Müller, stellvertretend für den DAF und Ulrike Kantimm, stellvertretend für die Königskinder Münster, ebenfalls je 500 Euro. 300 Euro hatte sie bereits am Morgen an das Tierheim in Ahlen überwiesen, damit auch die Einrichtung für Tiere in Not insgesamt auf die Summe von 500 Euro Spendengelder kommt.

„Ich bin sehr glücklich, dass soviel Geld zusammengekommen ist“, erklärt Elisabeth Altenbach. Da könne sie auch die kurzen Nächte, Nacken- und Rückenschmerzen in Kauf nehmen, sagt sie schmunzelnd.

Mittlerweile hat sie bereits 1246 Masken genäht. 610 davon gegen eine Geldspende abgegeben, die übrigen verschenkt. Manche Empfänger hatten dafür einige Stoffe oder Gummibänder für sie dabei. Insgesamt 3.100 Euro Spendengelder hat sie so bereits gesammelt.

„Der DAF wird mit dem Geld Sprachkurse finanzieren“, informiert Karin Müller.

Ulrike Kantimm, die die Königskinder seit vielen Jahren als Ehrenamtliche unterstützt, stellt fest: „Die Königskinder finanzieren sich ausschließlich über Spenden.“ Mit dem Geld könnten unter anderem Geschwisternachmittage ausgerichtet werden oder Ehrenamtlichen eine Ausbildung ermöglicht werden. „Die Königskinder betreuen derzeit 50 Familien“, teilt sie mit. Königskinder ist ein ambulanter Kinder-Hospizdienst.

Bei der Wahl der Stoffe ist die Drensteinfurterin unternehmungslustig. Bunt und fröhlich oder dem Anlass angepasst sieht keine Maske aus wie die andere. Über Spenden von leichten Stoffen mit kleinen Mustern würde sie sich übrigens freuen, denn die fleißige Näherin hat nicht vor sich auszuruhen. „Ich nähe weiter Masken und sammle dabei weitere Spendengelder“, versichert sie.

Der Mund-Nasen-Schutz von Elisabeth Altenbach kann in der Bücherecke gegen eine Spende von fünf Euro erworben werden.

 

 

Text & Fotos: Mechthild Wiesrecker, Westfälischer Anzeiger

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DAF und Corona

Die Corona-Pandemie geht an kaum einem Menschen spurlos vorüber. Während einige einfach vom Tragen der Maske genervt sind, geht es bei anderem um die nackte Existenz. Wieder andere sorgen sich um die eigene Gesundheit oder die ihrer Angehörigen. Eine Gruppe die von den Corona-Maßnahmen besonders betroffen ist, sind die Asylbewerber. Waltraud Angenendt, Vorsitzende des Deutsch-Ausländischen-Freundeskreises (DAF) berichtet von den Sorgen und Nöten der Asylsuchenden aber auch deren Helfer.

Mit Beginn der Pandemie im März wurden auch die Beratungen eingestellt, berichtet Waltraud Angenedt. „Überall wurde vor Corona gewarnt, jeder hatte Angst“, erinnert sie sich. Dazu hatte die Kirche die Tür zugemacht, es gab also keinen Raum für die Beratung.

Dringende Fälle wurden zwar per Telefon besprochen und auch Begleitungen zum Ausländeramt oder Rechtsanwalt fanden noch statt aber man habe bemerkt, dass alles erstarrte. Unter den Geflüchteten sei die Angst noch viel schlimmer gewesen. „Wer soviel Gefahr ausgesetzt war, Krieg und Tod erlebt hat, ist anfälliger“, sagt die Sprecherin des DAF.

Hinzu käme, dass sich Asylbewerber ihre Informationen über dubiose Kanäle im Internet holten. „Das macht sie offener für Fake News, die ihnen noch mehr Sorgen bereiten“, erklärt sie. Im Sommer habe man dann die so nötige Beratung im Freien wieder angeboten.

Mit dem Lockdown fanden aber auch keine Sprachkurse statt. „Jede Veranstaltung, sei es Kaffeetrinken oder Frühstück, brach weg“, erklärt sie. Die Schulen und Kitas waren geschlossen. „Vieles was sie bereits gelernt hatten, haben sie vergessen“, so die Erfahrung Angenendts. Der Online-Unterricht habe zwar im Juni versucht etwas aufzufangen aber es fehle das Sprechen und der Kontakt zu Deutschen. Zudem hat nicht jeder Asylbewerber einen Laptop und Online-Unterricht am Smartphone sei mühsam.

Für Waltraud Angenendt ist das eine Katastrophe. „Die Deutsche Sprache zu erlernen und die damit verbunden Zertifikate zu erhalten, ist für die Asylbewerber essentiell“, macht sie deutlich. Egal ob eine Anstellung oder ein Ausbildungsplatz, die Beherrschung der deutschen Sprache sei Voraussetzung.
Die Stadt habe die Integrationspauschale genutzt, um die Anschaffung eines Laptops mit 150 Euro zu bezuschussen, aber mit dem Geld könne man noch keinen Laptop kaufen. Im September sei die Maßnahme zudem zu spät angelaufen.

Für die Betreuer sei die Zeit ebenso frustrierend. „Es geht an die Substanz, weil alles was schön war nicht stattfinden durfte“, erklärt sie und denkt an die Gartenfeste im interkulturellen Garten, bei denen viele gute Gespräche stattgefunden haben, die Fahrt der Kirchengemeinde zum Maxipark, die schon Tradition hat und die in diesem Jahr zum Herbstleuchten geplant war. Das Kaffeetrinken im Gemeindesaal und das Frühstücken im Kulturbahnhof. Und jetzt steht die traditionelle Nikolausfeier vor der Tür. „Wir können sie planen aber vieles wird im Moment für die Tonne geplant“, stellt sie sachlich klar.

„Es kommt so eine -ich schmeiß alles hin- Stimmung auf“, so ihre Wahrnehmung. Reshad Fazly berichtet von den Sorgen der Asylbewerber. „Sie haben Angst vor dem was sie hören. Angst, dass die Schulen wieder geschlossen werden und die Sprachkurse wieder ausfallen“, erklärt der 31-Jährige, der 2015 aus Afghanistan geflüchtet ist und seitdem in Drensteinfurt lebt. Viele hätten ihren Job verloren, weil sie in Restaurants arbeiten, andere könnten ihre Ausbildung nicht antreten. Und dann sei die große Sorge um die Familien in der Heimat. „Sie wissen, dass die gesundheitliche Versorgung dort schlecht ist“, sagt er. Die Menschen in Afghanistan hielten sich auch nicht an die Auflagen. Zum einen, weil die wirtschaftliche Lage so schlecht ist und zum anderen weil sie keine richtigen Informationen über die Krankheit oder die Zahl der Infizierten bekommen. „Ich sorge mich um meinen kranken Vater“, erklärt Reshad.

Auch Waltraud Angenendt bekommt die Sorge der Menschen um die Angehörigen in der fernen Heimat mit. Sie berichtet von einer Frau aus dem Iran, dessen Mutter an Corona gestorben sei. Von einem anderen starb der Onkel an Corona. Ein Afghane sorge sich um seinen an Corona erkrankten Bruder. „Sie leben in Deutschland und wissen, hier ist das Gesundheitssystem gut, aber ihnen ist auch klar, wie es in ihren jeweiligen Heimatländern aussieht“, erklärt die Vorsitzende des DAF das Dilemma vieler Asylbewerber.

 

Text: Mechthild Wiesrecker, Westfälischer Anzeiger

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Ausflug ins Sauerland

42 Teilnehmer aus acht Nationen sind am vergangenen Samstag zu einem Ausflug ins Sauerland aufgebrochen. Pastor Schlummer, Pater Johny, Waltraut Angenendt und Martin Karnein hatten den Ausflug im Rahmen der Reihe "Begegnung mit Flüchtlingen" der Pfarrei St. Regina organisiert und begleitet. Das gute Wetter und die ausgelassene Stimmung trugen dazu bei, dass Kontakte geknüpft wurden, man viel übereinander erfuhr und Vorurteile abgebaut wurden. Die Aussicht von einem Aussichtsturm am Möhnesee, das Picknick am See, die Fahrt mit einem Passagierschiff auf dem Möhnesee und die Besichtigung der Altstadt von Arnsberg waren interessante Ausflugspunkte für die Gruppe.

Programm:

Abfahrt mit dem Bus um 10.00 Uhr
1. Zie:l Wanderung zum Aussichtsturm am Südufer des Möhnesees
Pause am Turm
Zurück zum Möhnesee über eine Brücke bis zum Campingplatz – Picknickpause und Schwimmen
Danach 1 Std. Fahrt mit dem Schiff über den Möhnesee
Weiterfahrt nach Arnsberg
In Arnsberg Eisessen
Aufstieg zur Schlossruine

Impressionen vom Ausflug

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Sparkassen-Spenden-Voting

Der Deutsch-Ausländische Freundeskreis Drensteinfurt, kurz DAF genannt, kann evtl. einen Förderbetrag von der Sparkasse Münsterland-Ost erhalten.

Der DAF bewirbt sich mit dem „Interkulturellen Garten“ als Projekt beim mit insgesamt 37.000 Euro ausgeschriebenen Spenden-Voting der Sparkasse Münsterland Ost. Prämiert werden die 15 Erstplatzierten. Wer als gemeinnütziger Verein die meisten Stimmen auf sich vereinigt erhält bis zu 8.000 Euro; selbst der 15. Platz wird mit 1.000 Euro prämiert. Um unter die 15 Ersten einen Platz zu erhalten, benötigen wir eure Stimme und die eurer Freunde, Verwandten und Bekannten.

Die Stimmabgabe erfolgt ab dem 01. bis 12. Juni 2019, 12:00 Uhr!

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Stimmen haben wir schon von euch erhalten. Danke!

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Ingré – Städtepartnerschaft

Städtepartnerschaft zwischen Ingré und Drensteinfurt besiegelt

Der DAF war dabei!

Gut zwei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert, am 9. Mai ist es so weit: Drensteinfurts Bürgermeister Carsten Grawunder und sein französischer Amtskollege Christian Dumas besiegeln in Ingré die Städtepartnerschaft der beiden Kommunen mit ihrer Unterschrift unter dem Vertrag.

Dieses für Stewwert geschichtsträchtige Ereignis wollen 52 Bürger miterleben und im Rathaus in Ingré dabei sein. Vom 7. bis 10. Mai fährt die Delegation in die künftige Partnerstadt. Zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der Stadt Drensteinfurt und des Vereins „Städtefreundschaft Drensteinfurt-Ingré“ erschienen in der Alten Post vor wenigen Tagen rund 30 Teilnehmer.

Am 7. Mai um 6 Uhr früh startet die Gruppe aus Drensteinfurt mit einem Bus nach Ingré. Gegen 16 Uhr wird ihre Ankunft erwartet, gleichzeitig soll auch die italienische Delegation aus Ingrés italienischer Partnerstadt Castel Maggiore ankommen. Nach einem kleinen Imbiss in den Gastfamilien und einem Restaurantbesuch erwartet die Teilnehmer am Abend mit der Besichtigung der beleuchteten Kathedrale von Sainte-Croix d’Orléans ein erster Höhepunkt.

Der kommende Tag, der 8. Mai, gilt in Frankreich als gesetzlicher Feiertag. Im ganzen Land finden Militärparaden und Gottesdienste statt, um das Ende des Zweiten Weltkrieges und den Fall des Naziregimes im Jahr 1945 zu feiern. Traditionell werden an diesem Tag patriotische Lieder gesungen und Häuser mit der französischen Nationalfahne geschmückt. Um 11 Uhr nimmt die Delegation aus Drensteinfurt in Ingré an einem Umzug teil.

Am Nachmittag machen sich die Reisenden auf den Weg nach Orléans. Dort erleben sie die Feierlichkeiten zum Fest der Johanna von Orléans.

Die Fahrt nach Chambord mit Besichtigung des größten Schlosses des Loiretales steht am 9. Mai auf dem Programm der Drensteinfurter. Am Abend des gleichen Tages um 19.30 Uhr ist es dann so weit: Mit der feierlichen Unterzeichnung der Urkunde wird die Städtepartnerschaft amtlich.

Einen Tag später, am 10. Mai, macht sich die Stewwerter Delegation nach einem Abschiedsfrühstück gegen 10.30 Uhr wieder auf den Heimweg.

Untergebracht werden die Drensteinfurter Gäste möglichst privat, um im Sinne der Städtepartnerschaft Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen. Möglich ist jedoch auch die Übernachtung in Hotels. In Ingré kümmert sich der Jumelage-Verein um die private Unterbringung. Bei der Zuteilung orientiert sich der französische Verein an den persönlichen Angaben der Stewwerter wie etwa Alter, Sprachkenntnisse oder Hobbys.

Autor: Mechthild Wiesrecker, Westfälischer Anzeiger vom 17.02.19

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Für die Not der Fremden: Waltraud Angenendt erhält Ehrenring

Seit 40 Jahren engagiert sich Waltraud Angenendt in besonderer Weise für Flüchtlinge in Drensteinfurt. Für ihren selbstlosen Einsatz überreichte ihr Bürgermeister Carsten Grawunder nun in der Alten Post den Ehrenring der Stadt. Mitglieder aus Politik, Verwaltung und Vereinen, aber auch Freunde, Weggefährten und natürlich einige Flüchtlinge wohnten der Zeremonie bei. Für die Stadt ist es seit Vergabe des ersten Ehrenrings im Jahr 1973 die 21. Auszeichnung dieser Art. Nach Sabine Omland (2004) ist Waltraud Angenendt nun die zweite Frau, der die höchste Anerkennung der Stadt verliehen wurde. Vor 40 Jahren habe ihre Begegnung mit einigen Tamilen, die ohne jegliche Hilfe in dem heruntergekommenen Jugendheim lebten, den Grundstein gelegt für ihre Arbeit und die Gründung des Deutsch-Ausländischen Freundeskreises (DAF) mit einigen Mitstreiterinnen, erzählte Bürgermeister Grawunder. Obwohl sie mit Familie, politischen Ämtern und anderen sozialen Verpflichtungen bereits eingebunden war, machte sie sich die Not der „Fremden“ zu ihrer Herzenssache. Seitdem habe Waltraud Angenendt viel auf den Weg gebracht. Als die Flüchtlingskrise über Deutschland hereinbrach, habe sie den Verein umstrukturiert und für viele Ehrenamtliche geöffnet. Die sprachliche Förderung sei dem DAF besonders wichtig, er ermöglicht jedem Flüchtling unbürokratisch quasi vom ersten Tag an einen Sprachkurs, bis die offizielle Integration anläuft. Das internationale Café des Freundeskreises führe Einheimische und Asylbewerber einmal pro Woche zusammen. Ist es geöffnet, stehe Waltraud Angenendt bereit, um den Zugewanderten Fragen jeglicher Art zu beantworten. Darüber hinaus gehe sie in die Familien vor Ort. Sie habe breit gefächert viele Kontakte und nutzte diese, um die Menschen für ihre Sache zu begeistern und mitzunehmen. Daher könne der DAF heute eine ganze Palette von Angeboten aufweisen. Mit großer Empathie fühle sie sich in die Bedürfnisse ihrer Schützlinge ein, vermittele ihnen Familienpatenschaften und Unterstützung der Schulkinder. Maria Tölle, langjährige Mitstreiterin und Freundin der Geehrten, erinnerte sich, wie sie Waltraud Angenendt 1993 kennengelernt hat – als couragierte Biobäuerin, Mutter von vier Kindern, Lehrerin, Ratsfrau und Friedensaktivistin. Sie sei heute der Motor des DAF. Sie erkenne die Stärken und Fähigkeiten der rund 60 Helfer im DAF und sei trotz ihrer 70 Lebensjahre mit großer Kraft und Energie unterwegs. Sie freue sich über alle Erfolge ihrer Schützlinge, sei es das chinesische Mädchen, das auf einer Feier Geige spielt, oder das gesunde Baby eines georgischen Ehepaars oder der junge Syrer, der seinen Schulabschluss geschafft hat. Unentwegt bilde sie sich in Fragen des Asylrechtes fort, berichtete Tölle. So sei sie ein Bindeglied zwischen der Politik und der Realität vor Ort. Eigene Familiengeschichte mit Fluchtvergangenheit. Sichtlich gerührt, nahm die Ehrenringträgerin die lobenden Worte entgegen. „Ich sehe diesen Ring als Auszeichnung für die Arbeit, die von vielen Menschen in den drei Ortsteilen geleistet wird.“ Oft werde sie gefragt, warum sie sich so für Flüchtlinge einsetze. Die Ursache liege wohl in ihrer Familie, die selber eine Fluchtvergangenheit habe.

Copyright: Mechthild Wiesrecker, Westfälischer Anzeiger - 05.03.2018

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Langes Warten, Bitten, Hoffen: Familie entkommt dem Krieg

Als einer der ersten Flüchtlinge kam Mahmoud Zayat Ende 2015 aus Syrien nach Drensteinfurt. Während er zunächst in der Turnhalle in Walstedde Fuß in Deutschland fasste, drehten sich seine Gedanken Tag und Nacht um seine Frau und seine vier Kinder.

Er musste damals seine Familie in der vom Krieg zerstörten Stadt Aleppo zurücklassen. Seit Ende des Jahres 2017 ist die Familie gesund und glücklich wieder vereint. Wie viele Telefongespräche zwischen Deutschland und Syrien hin und her gingen, wie viele Sorgen und Tränen die monatelange Trennung gekostet hat, wissen wohl nur die Betroffenen. Das am Ende alles gut ging, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Umstand, den alle Beteiligten mit großer Dankbarkeit betrachten.

"Helft mir, Frau und Kinder nach Deutschland zu holen." Unzählige Male bat der 45-jährige Syrier jeden, der auf die eine oder andere Art mit ihm in Kontakt kam, sei es als ehrenamtlicher Helfer der Caritas, des deutsch-ausländischen Freundeskreises (DAF) oder der Stadt: „Helft mir, Frau und Kinder nach Deutschland zu holen.“ Ein Ansinnen, ebenso selbstverständlich wie zu Herzen gehend. Doch der Nachzug der Familie brauchte Zeit. Mahmoud Zayat nutzte diese, um die Sprache zu lernen und in Deutschland heimisch zu werden. Im August 2016 zog er von Walstedde in die Feuerwache nach Drensteinfurt. Sein Anliegen nahm er mit.

Der DAF machte ihm klar: „Frau und Kinder müssen in die Türkei fliehen.“ Im Oktober gelingt ihnen das Vorhaben. Mahmouds Schwester, die bereits in der Türkei in der Stadt Yildirim in der Provinz Bursa wohnt, hilft, für die Familie eine Wohnung zu finden. Ein Meilenstein für den Syrer, ist doch die Familie zunächst in Sicherheit, raus aus der täglichen Bedrohung durch Bombenangriffe. Mitte Dezember 2016 wird Mahmoud Zayat die Flüchtlingseigenschaft anerkannt, nur einen Monat später stellt er den Antrag auf Familienzusammenführung. Im März 2017 zieht er mit dem Syrer Barho Issa in eine Wohnung in der Wagenfeldstraße, für beide ein weiterer Schritt in die Normalität. Für ihn zählt jeder Tag.

Im Mai bekommt Familie Zayat in Izmir einen Termin bei der deutschen Botschaft. Es folgt ein umständlicher bürokratischer Akt, der durch das Fehlen des deutschen Ausweises des Vaters, dessen Ausstellung über Gebühr lange dauert, deutlich verzögert wird. Erst im Juli trifft der Ausweis ein und kann nach Izmir geschickt werden. Im August werden sämtliche Papiere von der deutschen Botschaft zwecks Prüfung nach Ahlen zur Ausländerbehörde geschickt. Bedingt durch die Urlaubszeit zieht sich der Vorgang bis zum Oktober hin, erst dann kann die Familie ihre Visa abholen. Für den Familienvater ist die deutsche Bürokratie unverständlich, er versteht die vielen Verzögerungen nicht, für ihn zählt jeder Tag, der den Zeitraum der Trennung unnötig verlängert.

Auch die Helfer stoßen an ihre Grenzen, immer wieder müssen sie vertrösten und Hoffnung machen. Mit dem Visum gibt die Familie ihre Fingerabdrücke im Rathaus der Stadt Yildirim in der Türkei ab, erhält die Ausreiseformulare, Unterschriften werden gegeben und dann endlich kommt die ersehnte Ausreise. Am Ende wäre alles fast an fehlendem Wohnraum gescheitert, hätte nicht Zayats Mitbewohner, der Kinderarzt Barho Issa, auf seinen Platz verzichtet. Issa absolvierte zu diesem Zeitpunkt eine Qualifikationsmaßnahme in Heidelberg. Am 24. Oktober erleben Eltern und Kinder ihr persönliches Wunder. Am Flughafen in Düsseldorf können sie sich zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder in die Arme schließen. „Das war so überwältigend, dass mir die Tränen gekommen sind“, erinnert sich Karin Müller vom DAF, die Mahmoud Zayats Bemühungen um Familienzusammenführung unterstützt und begleitet hat und ihn schließlich auch gemeinsam mit Bernd Schweppe, einem weiteren ehrenamtlichen Helfer beim DAF, zum Flughafen brachte.

Schon nach wenigen Monaten in Deutschland haben sich die Kinder gut eingelebt. Lujain (15) besucht die Teamschule, Joudi (8) und Sana (9) gehen zur Grundschule. Die beiden jüngeren Mädchen nahm die neunjährige, ebenfalls aus Syrien stammende Klassenkameradin Hala unter ihre Fittiche. Beide fühlen sich wohl und von den Klassen gut aufgenommen. Mohammed (16) geht für drei Tage in der Woche aufs Berufskolleg in Beckum. „Seine Lehrerin ist begeistert von seinen Fortschritten“, berichtet Karin Müller. Zusätzlich erhält er von Bernd Schweppe einmal pro Woche Deutschunterricht. Ehefrau Haifaa Khatib (44), die in Syrien als Hebamme gearbeitet hat, ist einfach nur glücklich, dass jetzt alle wieder zusammen sind und dazu in einem Land, in dem sie in Sicherheit leben können. Und der Kinderarzt Barho Issa? Für den fand der DAF zum 1. Dezember eine Ein-Personen-Wohnung direkt neben Familie Zayat. Syrische Freunde renovierten die Wohnung, da sich Barho noch in Heidelberg aufhielt. Am 20. Dezember konnte er einziehen. Jetzt wartet er auf eine Prüfung bei der Bezirksregierung in Stuttgart. Hat er diese absolviert, kann er sich auf eine Hospitationsstelle in den umliegenden Krankenhäusern bewerben.

Und was sagt Mahmoud Zayat heute? Abgesehen von seinem Strahlen versichert er: „Ich habe nie die Hoffnung aufgegeben, meine Familie wiederzusehen. Deutschland ist ein Land, das Flüchtlingen hilft und dafür bin ich sehr dankbar.“

Copyright: Mechthild Wiesrecker; Westfälischer Anzeiger 08.01.2018

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